MSV Duisburg – Fortuna Düsseldorf 2:1 (0:0)

2. Bundesliga; Schauinsland-Reisen-Arena (31500 Plätze); 28500 Zuschauer

Vor der Saison hätte man das Spiel des Meidericher SV gegen den Turn- und Sportverein aus Düsseldorf als nettes Derby um die Ecke deklariert. Immerhin gibt es für die Fortuna mit dem Verein aus Duisburg so gut wie keine Berührungspunkte, außer, dass man die jeweiligen Spielstätten mit der Straßenbahn erreichen kann. Beide Fanszenen vereint sogar die tiefe Abneigung gegen Rot-Weiß Essen und jeder der Vereine kann eine Unmenge an Tradition vorweisen, die sich in über 100 Jahren nach deren Gründung angesammelt hat. Mehr verbindet die beiden Lager aber auch nicht.

Die sportlichen Situation zum Ende der Saison sollte jedoch eine Menge Zündstoff bereit halten, denn für beide ging es um wichtige Punkte gegen den Abstieg und eben nur 3 Punkte zählten, egal wie diese letztelich erkämpft werden würden. Es war also jedem klar, dass sich nicht nur die Fans der Zebras auf den Weg ins das Stadion mit dem gruseligsten Namen der Fußballgeschichte machen würden, sondern auch tausende rot-weiße Anhänger aus Düsseldorf.

Doch was sich rund um das Wedau-Stadion abspielte, sollte am Ende des Tages in den Mittelpunkt der Berichterstattung rücken. Auch hier gibt es diverse Sichtweisen und Argumentationen zu den Vorfällen, daher meine persönlichen Eindrücke, denn ich „durfte“ mittendrin und dabei sein.

Mit ein paar Fußballfreunden aus Bonn machte ich mich also auf den Weg mit dem Auto Richtung Duisburg. Wir parkten bewusst etwas außerhalb, um anschließend 3 oder 4 Stationen mit der Straßenbahn zur Haltestelle „Am Schlenk“ weiter zu fahren. Dort rechtzeitig angekommen ging es also zu Fuß in Richtung Stadion, wo wir gegen 17 Uhr an der auf halben Weg gelegenen S-Bahn Haltestelle „Schlenk“ in einen Kessel der Polizei gerieten, die dort versuchte, einige hundert Düsseldorfer Fans und die ankommenden Ultras aufzuhalten und anschließend zu eskortieren.

Da wir ein paar Fans des MSV in typischer Kleidung im Schlepptau hatten, kamen wir mit etwas Überredung irgendwie durch die Absperrung und konnten so unseren Weg Richtung Stadion fortsetzen. Wer als Fortunafan zu erkennen war, egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich, Ultra oder Kutte, hatte dieses Glück nicht und war gezwungen, auf den Abmarsch des gesamten Mobs zu warten. Wie gesagt, dies alles circa 1,5 Stunden vor Anpfiff, also genug Zeit an normalen Tagen, sich am Stadion kontrollieren zu lassen und vor Spielbeginn in der Arena zu sein.

Nach einem Bierchen mit Freunden beim FC Taxi, ging es also für mich ca. 1 Stunde vor Anpfiff zur Einlasskontrolle im Süden des Stadions. Auf meiner Karte stand die Südtribüne aufgedruckt und die gesamte Südtribüne sollte ja auch an diesem Tag den Fortunen gehören. Doch am Eingang Süd-West hieß es lediglich, dass ich dort nicht eingelassen werden würde und doch bitte einmal um den Teich herum zum Eingang Süd-Ost gehen müsse. Na gut, also machte ich mich auf die ca. 1 Kilometer lange Wegstrecke, Zeit war ja noch genug.

Nach ungefähr einem Drittel des Weges kreuzte ich dann den „Kessel“ der Polizei, in dem geschätzt mindestens 800-1000 Düsseldorfer zum Stadion geführt wurden. Überholen war nicht mehr möglich und so blieb mir nichts anderes übrig, inmitten behelmter Bereitschaftspolizei in Richtung Gästeeingang zu schleichen. Es war schon beachtlich, wie lange diese große Gruppe gebraucht hatte, um in die Nähe des Stadions zu gelangen.

Was dann passierte, war schlichtweg provoziertes Chaos. Ich unterstelle noch nicht einmal, dass dieses Chaos mutwillig provoziert wurde! Aber wer auch immer die Entscheidung traf, nicht nur offensichtliche „Problemfans“, sondern auch völlig harmlose Zuschauer in diesem „Kessel“ „gefangen“ zu halten, hat damit die Folge dessen zu verantworten.

Es ging tatsächlich nur im langsamen Schritttempo vorwärts und es wurde immer wieder aufgestaut und gestoppt. Und obwohl das Spiel nun bereits angepfiffen wurde – wobei ich mich frage, warum man von offizieller Seite damit nicht eine halbe Stunde gewartet hat – wurden weiterhin mehrere hundert Gäste mit einem massiven Polizeiaufgebot und Wasserwerfern aufgehalten. Mit einer Verlegung des Anstoßtermines hätte man sicherlich Druck aus der Situation nehmen können. Als die Menschen ungeduldigt wurden und natürlich ins Stadion wollten, wurde seitens der Einsatzkräfte der Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und des Wasserwerfers angekündigt, sollte der Druck der Masse nicht nachlassen. Höhnischer Weise wurde selbst noch wenige Minuten vor dem geplanten Anpfiff per Lautsprecher verkündet, dass jeder rechtzeitig ins Stadion käme. Kommunikativ eine glatte 6, denn jeder halbwegs intelligente Mensch konnte dazu nur mit dem Kopf schütteln! Zudem kam erschwerend hinzu, dass sich der Weg zum Gästeeingang (der alle Fans der Südtribüne aufnehmen musste) permanent bis auf wenige Meter Breite verengte, so dass man irgendwann zwischen 2 hohen Zäunen eingezwängt darauf wartete, weiter zu kommen. Es gab Panikreaktionen, die an die Loveparade vor einigen Jahren in der selben Stadt erinnerten. Junge Mädchen weinten, ältere Herren sah man das Unwohlsein an. Am Einlass selber wurde so langsam kontrolliert, was auch der geringen Zahl an Einlassstellen geschuldet war, so dass sich der Druck fast zwangsläufig erhöhen musste.

Letztlich kam es zum in den Medien geschilderten „Sturm“ der Einlasskontrolle, es wurde gepfeffert was das Zeug hielt, es wurde geschlagen was der Schlagstock hergab und am Ende gab es für einen Großteil der Gästefans keine Einlasskontrolle oder geordneten Zugang mehr. Wer also ohne Karte ins Stadion wollte, konnte dies selbst nach Beruhigung der Situation ohne weiteres tun. Das letztlich das Überrennen von Einlasskontrollen nicht zu billigen ist, steht außer Frage. Aber wer die Situation vor Ort erlebt hat, selbst wenn man sich eher im hinteren Teil der Masse aufgehalten hat, kann nachvollziehen, dass irgendwann aus der aufkommenden Panik heraus Reaktionen erwachsen, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Und die Schuld bei Einzelnen zu suchen wäre der völlig falsche Ansatz und würde der Gesamtsituation nicht gerecht!

Hätte man im Vorfeld nicht jeden anreisenden Fan am Bahnhof aufgehalten, hätte man den Inhabern von Tickets für den Oberrang, die sicher nicht zum Klientel der Polizei gehörten, einen weiteren Eingang zur Verfügung gestellt und hätte man die Anstoßzeit nach hinten verlegt, wären garantiert nicht so viele Menschen verletzt worden. Ich habe selten so viele Personen gesehen, die an irgendeiner Stelle ihres Körpers geblutet haben. Die Zahl von 10 Verletzten, die in den Medien genannt wird, erfasst bei weitem nicht die tatsächliche Anzahl derer, die wirklich verletzt worden sind.

Zum Spiel und der Stimmung, ob die Bratwurst geschmeckt hat oder das Bier günstig war, schreibe ich heute nichts. Das Pyro im Stadion gezündet wurde, mag ebenso jeder für sich bewerten. Verhindert hat es die Taktik der Verantwortlichen jedenfalls nicht.

Für mich steht fest, dass Duisburg Großveranstaltungen nicht kann.

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