SC Preussen Münster – 1. FC Magdeburg 0:1 (0:0)

3.Liga; Preussenstadion (14300 Plätze); 7269 Zuschauer (1500 Gäste)

Stell Dir vor, Du betrittst als junger Fußballfan das erste Mal in ein Stadion, verliebst Dich in den Dir anvertrauten Verein und Du musst Dich dann, weil Du angefixt bist und gerne aktiv Dein Team unterstützen möchtest, für eine der im Stadion ansässigen Ultra-Gruppierungen oder aktiven Fanszenen entscheiden?! Normalerweise denkst Du doch, dass alle Anhänger des Vereins im Grunde das selbe Ziel verfolgen sollten? Doch genau hier liegt das Problem in der Kurve von Preußen Münster. Eine vor Jahren sich zunächst gut organisierende Szene bricht plötzlich auseinander und spaltet sich so weit von einander ab, dass man sich (wenn man den Überlieferungen glauben darf) sogar an die Wäsche gegangen sein soll. Dies führte auf Auswärtsfahrten der Preussen sogar dazu, dass im Vorfeld geklärte werden musste, ob sich beide Szenen im Auswärtsblock trennen ließen. Mittlerweile soll der Zwist zwar immer noch nicht beigelegt sein, man begegnet sich jedoch eher mit abweisender Ignoranz, als dass man sich auf ein gemeinsames Ziel für 90 Minuten einigen könnte.

Diese Soap spielt sich in Münster ab, wo gute Freunde und ein Besuch eines Fußballspieles lockten. Hört man sich im Stadion um, so bekommt man die verschiedensten Versionen überliefert, warum die beiden Szenen sich nicht mehr auf diesen besagten gemeinsamen Nenner einigen können. Die häufigste und wahrscheinlichste Version ist jedoch jene, dass sich die kleinere Gruppe (genannt „Deviants“) eher deutlich „links“ positioniert haben soll und mit dem angeblich „prollohaften“ Gehabe der anderen Gruppen hinter dem Banner der „Fiffi-Geritzen-Kurve“ nicht so viel anfangen kann. Andersherum können die Gruppierungen mit der angeblich ins Stadion getragenen Politik der „Deviants“ nichts anfangen und somit findet man auf beiden Seiten vermeintlich gute Gründe, jeweils auch beim Support sein eigenes Ding zu machen. Das hört sich zwar im Einzelfall während des Spieles seltsam an, ist aber so.

Das Münsteraner Stadion selbst ist hingegen der beste Beweis dafür, wie wichtig der Stadt Münster und der dort lebenden Bevölkerung guter Fußball in der eigenen Stadt ist. So wenige Menschen man in Vereinsfarben auf den Straßen sieht, obwohl der SCP ein Heimspiel hat, so wenig interessiert man sich für die Spielstätte des Drittligisten. Die „Arena“ ist sicher eines der heruntergekommensten Fußballplätze der ersten drei Ligen. Eine Hälfte der Gästekurve ist sogar wegen Baufälligkeit gesperrt und der Rest, mal von der Haupttribüne abgesehen, hat auch schon wesentlich bessere Zeiten gesehen! Kultig sind sicherlich die Kassenhäusschen vor dem Stadion, die noch den guten alten Charme der 80er und 90er versprühen. Nostalgiker und Puristen kommen in Münster jedenfalls voll auf ihre Kosten. Dabei kann man schon seit vielen Jahren verfolgen, wie sich die Münsteraner Verantwortlichen die Köpfe heiß reden. Mal könnte es ein Stadion sein, welches in einen Einkaufstempel integriert werden soll. Mal soll das alte Stadion saniert werden und aktuell gibt es gegen die neusten Pläne der Stadt Proteste aus der Szene, die gegen einen Vorschlag, das Stadion auf die weiten Felder vor den Toren der Stadt anzusiedeln, Sturm laufen.

Unabhängig aller Probleme hat der SCP bei einem trotz aller Widrigkeiten ansehnlichen Zuschauerschnitt sicherlich ein neues Stadion verdient. Ein gutes Beispiel dafür wäre der Gast aus Magdeburg. Immerhin hat man dort auch schlechte Zeiten mit manchmal nicht mehr als 500 Zuschauern erlebt, doch spätestens mit dem neuen Stadion startete der Verein so richtig durch. Sportlich, Stimmungsmäßig und auch in der Wahrnehmung innerhalb der Fußballwelt.

Die Magdeburger, die eine Woche zuvor den Bundesligisten Augsburg aus dem DFB-Pokal werfen konnten, waren mit gut 1500 Fans nach Münster gereist. Trotz einer zwischenzeitlichen Begegnung mit erlebnisorientierten BVB-Fans, denen man auf der Anreise auf einem kleinen Bahnhof über den Weg lief, war die Stimmung im Gästeblock erwartbar gut. Nach übereinstimmenden Berichten sei dieses kurze, körperliche Aufeinandertreffen Ergebnismäßig knapp an die blau-weißen Jungs gegangen. Ob die in der Nähe des Stadions postierten Wasserwerfer der Ordnungsbehörde deshalb oder trotzdem dort aufgestellt worden waren, bleibt zwar unklar, aber solch ein Aufgebot bei einem 3. Liga-Spiel war schon außergewöhnlich.

Kurz vor Spielbeginn zeigten beide, oder besser gesagt alle drei Szenen Einigkeit und zeigten in der Magdeburger Kurve DFB-kritische Transparente, während die Münsteraner Fans mit einem riesigen

FICK DICH DFB

Banner beeindruckte, welches die gesamte Kurve einnahm und von diversen Rauchtöpfen optisch eingerahmt wurde. Der Support war insgesamt ganz ordentlich, wobei die Magdeburger das akustische Übergewicht inne hatten. Die Szene Münster, und das zeigte dieses Spiel deutlich, könnte mit mehr Einigkeit viel mehr aus sich heraus holen. Doch so sangen beide Ultragruppen ihren eigenen Stiefel herunter, ohne aufeinander einzugehen. Es entstand ein Potpourri aus Geräuschen, an die sich der normale SCP-Fan scheinbar gewöhnt hat. Spricht man das Thema an, wird mit den Schultern gezuckt, denn leider hält dieser Zustand schon zu lange an, um an eine Verbesserung glauben zu können.

Sportlich war dieses Spiel keine Offenbarung! Magdeburg merkte man an, dass sie nach dem Pokalfight der letzten Woche relativ platt und unkonzentriert mit dem Leder umgingen. Doch der SCP konnte keinen Vorteil daraus ziehen und trotz zu Beginn der ein oder anderen guten Chance, ließen sie im Verlauf des Spieles stark nach und Magdeburg biss sich in das Spiel. Und zwar so effektiv, dass es in der zweiten Halbzeit zum Führungstreffer und nach 90 Minuten zum Sieg reichte.

Es ist schwierig ein Fazit über diesen Besuch zu ziehen. Münster ist eine coole Stadt mit entspanntem Nachtleben, sie hat einen ganz guten Fußballverein und eigentlich eine Szene, die groß genug sein müsste, um mit anderen vergleichbaren Szenen mithalten zu können. Die Derbys gegen Osnabrück zeigen immer wieder, was tatsächlich möglich ist! Aber Münster bleibt auch eine Stadt der Fluktuation die von ihren Studenten lebt, welche in der Regel bereits mit einem „Herzensverein“ gesegnet sind und sich den SCP maximal als Zweitverein ans Bein binden. Irgendwann kommt vielleicht die Zeit, in der alle Beteiligten verstehen, um was es eigentlich geht?! Dann geht an Münster kein Weg vorbei.

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