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Keine Diskussionen mehr! Klare und spielentscheidende Fehler oder Fehldeutungen des leitenden Schiedsrichters sofort und eindeutig korrigieren. So die Ansage der Ligaverantwortlichen vor dieser Bundesligasaison. Im Millionengeschäft Fußball sollte mit Einführung der alles überwachenden Videotechnik dafür gesorgt werden, dass nicht mehr nur der „Mann in Schwarz“ auf dem grünen Rasen über mögliche Titel, Abstiege oder Aufstiege entscheidet, sondern im Zweifelsfall eine weitere Instanz in einem dunklen Raum voller Technik. In Köln, im Keller, abgeschirmt von äußeren Einflüssen und somit perfekt ausgestattet, um auch die kniffligsten Szenen im Sinne des Spieles beurteilen zu können. Ziel war es zudem, dass solche Entscheidungen innerhalb von 15 bis 20 Sekunden gefällt und das Geschehen möglichst wenig gebremst und unterbrochen werden sollte.

Doch bereits nach wenigen Spieltagen steht für mich fest, diese Ziele wurden nicht erreicht. Im Gegenteil! Fakt ist derzeit, dass eine kostspielige Technik eben nicht verhindern kann, dass es zu Diskussionen rund um die möglicherweise entscheidenden Szenen auf dem Platz kommt.

Schon beim CONFED-Cup wurde deutlich, dass der Videobeweis nicht mal „eben so“ für Klarheit sorgen kann. Da wurde zum Beispiel eine für jeden Zuschauer deutliche Tätlichkeit trotz Videobeweis nur mit einer gelben statt roten Karte geahndet oder ein offensichtlich korrektes Tor nach Studium der Bilder doch nicht gegeben. Auch zum Start der Bundesligasaison kommt es immer wieder zu eindeutigen Fehleinschätzungen der Videorichter, so nun auch am letzten Wochenende, als der Spieler Gentner vom gegnerischen Keeper schwerst im Gesicht verletzt wurde, dieser Torwart aber weder die – spätestens nach Videostudium folgerichtige – rote Karte, noch ein Elfmeter für den Gefoulten gegeben wurde! Der VfB als leidtragender Verein wird im weiteren Verlauf des Spiels trotz Videobeweis gezwungen, mit einem Spieler weniger (Gentner erlitt mehrere Brüche im Gesicht, sein Verein hatte schon dreimal gewechselt) und einer knappen Führung über die Runden kommen zu müssen.

Ganz ehrlich? Da verzichte ich doch lieber auf diese Technik, denn Diskussionen gibt und gab es mit oder ohne Einsatz dieses Hilfsmittels und falsche Entscheidungen erst Recht! Aber das Spontane, diese explosionsartige Freude, eben die Würze des Spieles durch enge Entscheidungen fällt durch die Technisierung weg. Weder ein Spieler noch ein Fan möchte nach dem Einschlag des Balles im Netz erleben, wie er zum Teil mehrere Minuten auf die endgültige Entscheidung warten muss. Diese Technik raubt dem Fußballfan vor allem im Stadion die spontane, emotional sonst kaum erlebbare Freude eines Torerfolges, der eben nicht nach einigen Sekunden oder gar Minuten in Enttäuschung gewandelt wird, weil ein Videorichter nach manchmal bis zu 5 Minuten entscheidet, es sei doch kein reguläres Tor gefallen. Dieses Gefühl, in der Nachspielzeit doch noch den Ausgleich oder Siegtreffer geschafft zu haben, ohne die bangen Blicke, ob der Schiedsrichter sich möglicherweise an das Ohr greift und danach den imaginären Bildschirm in die Luft zeichnet, ist durch keine Technik dieser Welt zu rechtfertigen!

Lasst den Fußball lieber so wie er war. Mit den damit einhergehenden Kontroversen, den Diskussionen am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis, dieser eben doch manchmal unberechenbare Faktor Mensch im großen Spiel mit dem Ball. Emotional und spontan, mal richtig oder vielleicht auch falsch. So wie wir es bisher liebten, unser Fußball eben. Den perfekten Schiedsrichter wird es niemals geben und wenn, dann auf Kosten der Sportart und ihrer Einzigartigkeit!

 

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