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Jetzt sind schon ein paar Tage seit unserer Ankunft vergangen und die ersten Eindrücke sind bisher zumeist sehr positiv. Fangen wir jedoch erst einmal mit dem Wetter an, das ist doch ein gern gesehener Einstieg in so manchen Reisebericht. Und natürlich, wir haben bisher fantastisches Wetter erleben dürfen. Seit unserer Ankunft lachte uns die Sonne ins Gesicht und brannte uns jeden Tag ein bisschen heißer in den Nacken. Diese zwei Zeilen reichen dann aber auch dazu, aber im weiteren Verlauf des Berichtes wird die Sonne noch eine kleine Nebenrolle spielen.

Zurück zu den ersten Eindrücken, welche sich vornehmlich um Land, Leute und deren Umgang mit der WM drehen werden. Grundsätzlich kann man festhalten, dass die Menschen in Moskau von Tag zu Tag lockerer werden. Vielleicht liegt es an den vielen Südamerikanern in der Stadt oder an eben jenem schönen Wetter, denn an uns deutschen Fans kann es nicht liegen, wir benehmen uns wie immer im Ausland. Meist weltmännisch und freundlich, oft aber auch besserwisserisch und hochnäsig. Problemklientel scheint es (noch) nicht in die Stadt verschlagen zu haben, es überwiegen nach wie vor die im Gesicht bemalten Blümchenkettenträger aus der Nach-Klinsmann-Ära. Insgesamt macht die Szenerie einen friedlichen und entspannten Eindruck, dem man sich an den Hotspots der Stadt nicht erwehren kann. Gerade die Sehenswürdigkeiten im Zentrum Moskaus sind voll von Fußballtouristen aus aller Welt. Mexikanische Riesenhüte, Peruanische Gesichtsmasken, schwedische Schönheitsköniginnen, polnische Lautsprecher oder Australische Beachboys, alles ist vertreten und singt sich warm oder fotografiert die eigenen Finger wund. Doch entfernt man sich nur wenige Kilometer vom Zentrum, zeugen nur noch die aufgestellten Werbetafeln oder Fahnenmasten vor den öffentlichen Gebäuden von der WM. Die Menschen gehen unaufgeregt ihrem Alltag nach, es sind weder Fähnchen an den Wohnfenstern oder Autoscheiben zu sehen, im russischen Trikot laufen ebenfalls nur die wenigsten umher. Es fühlt sich so an, als warteten die Menschen am Rande der Stadt sehnsüchtig auf die Sommerferien und damit die Chance, sich einfach ins Auto zu setzen und in die Sommerfrische zu fahren. Begibt sich der Gast allabendlich in das Nachtleben von Moskau, lernt man zwar ziemlich schnell nette Menschen kennen, aber das Thema ist weniger die WM, sondern eher die Lust darauf, sich anderen Kulturen zu nähern. Die Bars und Restaurants haben sich zumeist herausgeputzt, passend für dieses Event geschmückt und vorbereitet, aber in den meisten Lokalen sitzen die Menschen in „zivil“ beisammen und verbringen einen netten Abend. Es könnte an der Größe der Stadt liegen, dass sich die vielen Gäste außerhalb der Spieltage nicht über den Weg laufen, es könnte aber auch daran liegen, dass sich viele die Hotels im unmittelbaren Zentrum nicht leisten konnten.

Unser 4. Tag stand ganz im Zeichen von Angela. Nein, nicht DIE Angela, sondern Angela unsere nette Begleitung für den Tag und stetiger Quell der Information. Sie und der Busfahrer Alexej holten unsere Gruppe am Hotel ab und es ging ein paar Runden durch die Stadt, an sehenswerten, interessanten und oft auch sehr schönen Gebäuden vorbei. Angela gab sich wahrlich müde und wir haben selten einen Menschen in so kurzer Zeit so viel ohne Pause reden hören. Und diese Wertung ist gar nicht negativ gemeint, im Gegenteil. Sie berichtete uns von Jelzin, von Putins Einfluss auf Moskau, aber auch von der schieren Größe und Geschichte dieser Stadt. Ebenso wusste sie zu berichten, dass der Durchschnittslohn in Russlands Weite 11000 Rubel betrage, dies müssten umgerechnet ungefähr 164 Euro im Monat sein. In Moskau jedoch liegt dieser Wert bei 64000 Euro, also circa 955 Euro. Diese Zahlen sind in sofern bemerkenswert, weil Du beispielsweise in den meisten Restaurants für dein warmes Essen zwischen 290 Rubel im SB-Geschäft, bis 1300 Rubel im normalen Restaurant bezahlst. Teurer geht es natürlich immer. Ein guter Vergleich sind auch immer Zigaretten, deren Preis im Tabakladen bei 120-190 Rubel liegen. Der Liter Sprit ist mit 40-50 Rubel im Vergleich recht günstig. Aber für den Arbeitnehmer, der unter dem durchschnittlichen Satz verdient schon recht teuer.

Andererseits erzählt uns Angela aber auch von einer Legende, die in unseren Reihen so recht niemand glauben wollte. So soll der Flug von Herrn Rust in den 1980er Jahren aus einer geplanten Aktion heraus gestartet worden sein. Angeblich habe der KGB und der BND trotz kalten Krieges zusammen gearbeitet und sogar den Tankvorgang in Lettland unterstützt, als Rust dort angeblich zwischen landete. Dies alles habe nach Ende des kalten Krieges sogar ein deutscher Militärattaché bestätigt und somit war der geschilderte Hergang für unsere Führerin faktisch unumstößlich und korrekt. Nun gut, alle anderen Fakten hörten sich plausibler und belegbarer an.

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Das Highlight der Stadtbesichtigung war natürlich unser Besuch im Kreml von Moskau. Eine riesige Schlange heute davon, dass auch andere dieses Highlight erleben wollte. Jeder kennt die Bilder, wenn sich Putin mal wieder in sein Amt begleiten lässt oder eine seiner Militärparaden laufen. Irgendwo im Hintergrund ist immer ein Stück Kreml zu sehen. Die Bezeichnung Kreml steht übrigens übersetzt für Burg und so erscheint diese viele Hektar große Anlage mit über 10 Meter hohen Mauern und einer Außenlänge von 2,3 Kilometern auch. Innerhalb dieser Mauern lebten früher 30000 Menschen, bis sich irgendwann die Stadt so ausbreitete, dass der Kreml ausschließlich für administrative Zwecke genutzt werden konnte. Heute gibt es dort den Präsidentenpalast, eine Unterbringung für die Soldaten des Kreml und einige wunderschöne kirchliche Gebäude, deren Ikonen einen unschätzbaren Wert besitzen. Für uns Europäer sicherlich auch interessant, dass diese kleine Stadt in der Stadt strenge Regeln kennt. Ständig hört man irgendeinen der vielen Polizisten mit seiner Trillerpfeife pfeifen und dies nur, weil der Zebrastreifen nicht geradeaus im rechten Winkel begangen, sondern 20 Meter vorher schräg abgekürzt wurde. Es wurde aber auch gepfiffen wenn man dem Präsidentenpalast zu nahe kam, wenn man ein Stück Rasenfläche betrat oder auch, wenn man sich einfach nur irgendwo anlehnte. Selbst dies war nicht überall ohne weiteres möglich.

Leider gibt es innerhalb des Kreml kein Restaurant oder Café, wo man sich hätte bequem hineinsetzen und etwas trinken können. Denn wie schon oben angesprochen, brannte die Sonne unerbittlich und die Sicherheitskontrolle, welche man durchlaufen musste, um in den Kreml zu kommen, dauerte schon eine gute halbe Stunde. Selbstredend waren die meisten von uns recht durstig, doch es gab nur wenige vereinzelte kleine Büdchen, welche Getränke und Eis verkauften. Also angestellt und die Pause zwischen zwei Sätzen unserer Führerin genutzt. Doch leider war auch hier der Andrang so groß, dass es gut 20 Minuten dauerte, bis wir endlich unser Wasser kaufen konnte. Doch stell dir vor, du wartest so lange, deine Kehle fühlt sich an wie Schmirgelpapier, sie lechzt nach einem kalten Schluck irgendwas und der Verkäufer zeigt auf seine Uhr und bedeutet dir, dass er nun schließen müsse… Die Frage wird nie geklärt werden, für wen es gut war, dass der Verkäufer nach kurzer, intensiver Diskussion seine Arbeit wieder aufnahm und das erlösende, feuchte und kalte Lebenselixier aushändigte.

So groß Moskau auch ist, so schnell ging dieser höchst interessante Tag zu Ende. Die einen gingen schnell zur Tagesordnung über und ließen sich während ihrer Gespräche von einem der höchst spannenden Duelle irgendeiner WM-Gruppe berieseln oder gingen gleich ins Bett. Ein paar wenige Mitfahrer nutzten die Gelegenheit, in Franks Geburtstag zu feiern und irgendwann war der Tag dann auch lang genug. Zumal es am nächsten Tag in Richtung Sotschi weitergehen sollte.

Bei einsetzendem Regenwetter verließen wir am 5. Tag unsere erste Station und fuhren Richtung Flughafen. Unser Ziel Sotschi, die Stadt am Schwarzen Meer mit ihren 350´000 Einwohnern, hat sich unter Putins Regentschaft zu einer Sportmetropole entwickelt. Olympische Spiele, Formel 1 und jetzt auch als Spielort der WM, befördern die Urlaubsmetropole nahe der georgischen Küste zu einem Hotspot am schwarzen Meer. Am Flughafen angekommen, wurde unser Gepäck schon vor dem Check-In durchleuchtet. Die beiden uniformierten Damen taten dies gründlich und folgte man nicht sofort deren Anweisungen, wurde es schnell etwas lauter. Aber das erwähnenswerte daran war, dass die Dame mit wenigstens ein paar Englischkenntnissen schnell lockerer wurde und lächelte, aber die Dame ohne Fremdsprachenkenntnisse nicht aus ihrer Haut heraus konnte und „böse“ blieb. Da wir nur einen Inlandsflug antreten mussten, merkte man schnell, dass selbst am Flughafen die Sprache oftmals eine Hürde darstellt. Egal ob bei der Getränkebestellung, wo übrigens tatsächlich einer unserer Mitfahrer nach dem Ausweis gefragt wurde, oder beim bezahlen danach. Wenn das Kreditkartenterminal nur kyrillische Buchstaben anzeigt, macht es den ganzen Vorgang nicht einfacher.

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Über die rechteckigen und weithin sichtbaren Felder der ehemaligen Kolchosen flogen wir mit dem Flugzeug gen Süden. Wer schon einmal mit der Aeroflot geflogen ist, wird sich sicher an die akkuraten und wunderschönen Uniformen der Besatzung erinnern. Zwar hat sich die Fluggesellschaft im Laufe der letzten Jahrzehnte weg von einem Staatsunternehmen entwickelt, sich den anderen Konkurrenten auf dem Markt angepasst, aber gerade an den Uniformen erkennt man den Stellenwert in Russland. Nach der Landung schlug uns erst einmal eine feucht-tropische Faust ins Gesicht. Perfekt! Endlich Urlaubsfeeling mit angemessenen Schweißrändern unter den Achseln. Jetzt konnte der vermutlich schönste Teil der Reise losgehen, fast eine Woche Sonne, Strand, Meer und Fußball!

Leider mussten wir aber bereits schon nach wenigen Minuten am Flughafen unsere erste Niederlage gegen den nächsten Gegner aus Schweden einstecken. Am Kofferband entschieden die Jungs und Mädels in gelb das Rennen schnell mit 0:6 Koffer für sich und verließen vor uns das Flughafengebäude.

Unser riesiger Hotelkomplex, nur 20 Minuten vom Flughafen entfernt gelegen, machte gleich einen guten Eindruck. Ein Kilometer zum Strand und ungefähr zwei bis drei Kilometer zum Stadion werden uns das Leben nicht allzu schwer machen. Und so machten wir uns schnell auf, eine der Strandbars zu entern und angemessen zu testen. Leider ließ die Qualität der ersten Wahl doch etwas zu wünschen übrig, aber wir haben ja noch genug Zeit, das richtige Lokal zu finden. Leider lief das „hinein feiern“ in den nächsten Geburtstag der Gruppe etwas aus dem Ruder. Die erste Lokalität verließen wir vernünftiger Weise gegen 2 Uhr Richtung Hotel, doch auf dem Weg dorthin stolperten wir über eine nette Gruppe Schweden, so dass bis zum Sonnenaufgang um halb fünf Völkerverständigung betrieben werden musste. Während die Vögel fröhlich ihre morgendlichen Lieder anstimmten, fiel der letzte Rest endlich ins Bett. Nur gut, dass der sechste Tag keine Programmpunkte beinhalten wird.

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