Mesut Özil ist als Nationalspieler zurück getreten und nach fast 100 Spielen in der A-Nationalmannschaft, dem Gewinn des WM-Titels 2014 und der fünfmaligen Wahl zum Fußballer des Jahres in Deutschland bleibt festzuhalten, dass ein großartiger Fußballer die internationale Bühne verlässt! Auch wenn er für viele Fans sein komplett vorhandenes Potential zuletzt nicht mehr abrufen konnte oder wollte, bleibt er doch ein Teil der erfolgreichsten Ära des deutschen Fußballs nach der Jahrtausendwende!

Doch wie konnte es soweit kommen, dass dieser Fußballer nun auf einen möglichen weiteren Titel bei kommenden Europa- oder Weltmeisterschaften verzichtet? Vermutlich wird er es selbst nicht erklären können und entflieht mit dem FC Arsenal lieber nach Asien, statt Rede und Antwort zu stehen.

Fakt ist, Mesut Özil hat mit seiner seltsam über drei Teile verteilten Kritik und dem damit verbundenen Rücktritt nicht ganz Unrecht. Wenn er und Ilkay Gündogan für ein Foto mit Herrn Erdogan kritisiert wird, dann sollten eben jene Kritiker Herren wie Lothar Matthäus oder Gerhard Schröder erst Recht für ihre Auftritte mit Putin kritisieren. Diese Doppelmoral in der deutschen Medien- und Fanlandschaft ist leider nicht weg zu diskutieren. Ebenso sollten diese Kritiker den Umgang des DFB mit den zurückliegenden WM-Vergaben hinterfragen, ob der Verband in Sachen FIFA, in Sachen Korruption und deren Aufarbeitung genug und ausreichend getan hat, seine eigene Glaubwürdigkeit mit einer transparenten und klaren Haltung gegen Korruption wiederherzustellen! Und auch wenn Özil hier nicht Unrecht hat und eines von vielen Problemen anspricht, schießt er mit seiner Stellungnahme dennoch weit über das Ziel hinaus. Denn er hat in „seinen“ veröffentlichten Zeilen keinerlei Verständnis an der ihm gegenüber geäußerten Kritik gezeigt und es versäumt, eigene Fehler einzuräumen!

Ja, Mesut Özil gehört für das Foto mit einem ausgewiesenen Despoten kritisiert und auch auf dieses unsägliche Verhalten hingewiesen. Und obwohl Özil versucht hat, dieses Foto mit der Verbundenheit zu dem Land seiner Eltern zu begründen, hat er dennoch nicht verstanden, dass er damit zwar Respekt dem türkischen Präsidenten gegenüber zeigt, selben Respekt jedem in der Türkei Inhaftierten, aus dem Job entlassenen oder geflüchteten Opfern des Regimes verweigert! Diese grundsätzlich berechtigte Kritik aber nur an seiner Nationalität, seiner Herkunft, seinem Pass oder der Herkunft seiner Eltern festzumachen, geht absolut zu weit und lässt sich tatsächlich nur mit rassistischen Motiven erklären! Allerdings geht die Unterstellung von Özil in seiner Aussage zu weit, jedem Kritiker deshalb auch Rassismus vorzuwerfen, erst Recht gegenüber dem DFB-Präsidenten!

So sehr ich Herrn Grindel zu schätzen gelernt habe, weil er sich als erster DFB-Präsident seit langem für die Belange der Fans einsetzt, so sehr muss man ihn natürlich auch für das Krisenmanagement im eigenen Hause kritisieren! Spätestens als Oliver Bierhoff kopflos vor der versammelten Presse und auch erst nach der WM von Özil eine Stellungnahme forderte, spätestens dann hätte auch einem Herrn Gründel klar sein müssen, dass der Manager für diese Position nicht mehr geeignet sein dürfte. Zumal man die bisher geleistete sportliche Analyse ebenso hinterfragen sollte, erst Recht, als man die Veröffentlichung dieser Fehleranalyse ausgerechnet auf dem ersten Spieltag der Bundesliga legte. Statt mit der Analyse offen und zeitnah an die Öffentlichkeit zu gehen, nutzt man die mediale Ablenkung des Bundesligastartes, um sich selber aus dem Kreuzfeuer zu nehmen. Ob dies mit fehlendem Respekt den Fans der Nationalmannschaft gegenüber zu tun hat oder einfach nur billiges Kalkül, können nur die Verantwortlichen beantworten! Aber das Krisenmanagement des DFB zur Causa Özil, über Gündogan, bis hin zum sportlichen Abschneiden ist mehr als desaströs! 

Einen großen Anteil in diesem großen Spiel rund um die Akte Özil dürften allerdings auch seine Berater gespielt haben! Denn wenn man sich mit dem Menschen Özil beschäftigt und seine Statements der letzten Jahre Revue passieren lässt stellt man fest, dass die Dramaturgie der Stellungnahme in drei Akten, die Formulierungen darin, garantiert nicht aus der Feder von Mesut Özil selbst stammen können. Die einzigen Entscheidungen, die er höchstwahrscheinlich selbst getroffen hatte waren die, sich mit Erdogan ablichten zu lassen und seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft zu erklären. Alles andere, zum Beispiel das lange Schweigen zwischen diesem Foto und „seinem Statement“, kann man getrost dem umtriebigen, sicherlich riesigen Beraterstab zuschreiben. Leider bleibt Özil trotz seiner überragenden sportlichen Erfolge vermutlich nur als schlecht beratener Spieler in Erinnerung. Ob bei den Schalke Fans vor seinem Wechsel nach Bremen, ob bei den spanischen Fans nach seiner Strafzahlung wegen Steuerhinterziehung oder eben jetzt im Zuge der Affäre um das Foto mit Herrn Erdogan, in keinem dieser Fälle wird er allein entschieden haben. Und dies ist das eigentlich traurige in diesem Kapitel.

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